Mehr als ein Gedenkstein


Der Heimatverein Holzheim hat ein über vier Meter hohes Bauwerk fertigen lassen, das er zum Gedenken an den Unfall des Pilgerzuges in Bahnhofsnähe aufstellen möchte. Der Kuiturausschuss fällt heute die Entscheidung.

Die Pilger waren auf dem Weg nach Kevelaer. Kamen aus verschieden Ortschaften des heutigen Rhein-Kreises Neuss und nutzten für ihre Reise den Zug. Kurz hinter dem Bahnhof Holzheim passierte dann das Unglück: Der Zug entgleiste, 19 Menschen starben, zwölf wurden schwer, weitere 50 leicht verletzt. Fast auf den Tag genau ist das jetzt 70 Jahre her - ein Jahrestag, den der Heimatverein Holzheim zum Anlass nehmen will, auf besondere Weise in der Grünanlage am Holzheimer Bahnhof daran zu erinnern. In ersten Gesprächen mit dem Grünflächenamt war noch von der Aufstellung eines Gedenksteins die Rede. Nun ist daraus ein Bauwerk aus Eisenbahnschienen geworden, die sich am Ende zu einem Kreuz verbinden. 4,50 Meter hoch, 2,30 Meter tief und 1,60 Meter breit, und ist schon fertig - gebaut in der Werkstatt von RWE Power in Frimmersdorf. Wobei Peter Schornstein, der Geschäftsführer des Heimatvereins Holzheim, keine weiteren De­lls verraten will, bevor das Bauwerk die letzte Hürde genommen hat - die Abstimmung im Kulturausschuss.

Dass es da überhaupt gelandet ist, kam nach den Worten von Kulturamtsleiter Harald Müller für die Kulturverwaltung überraschend und wurde nötig, weil das Bauwerk nach den Entwürfen des jüngst verstorbe­nen Leiters des Arbeitskreises „Bauprojekte" im Holzheimer Heimatverein, Heinz Josef Schnitzler, die Dimension eines Gedenksteins gänzlich sprengt. Für die heutige Sitzung des Fachausschusses hat das Kulturamt deswegen eine Vorlage erarbeitet, in der es zum Schluss kommt, dass das Bauwerk das Bild der Grünfläche verändert und „weit über die normale Gestaltung einer Grünfläche hinaus das Stadtbild prägt". Der Kulturverwaltung scheint es daher angeraten, bei der Beurteilung die „üblichen Kriterien und Maßstäbe zur Errichtung von Kunstwerken oder Denkmälern" an­zulegen, nach denen die geplanten Werke auch „einen besonderen künstlerischen Wert repräsentie­ren". Die Beschlussempfehlung lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Der Heimatverein wird gebe­ten, über die Art und Weise der Ge­staltung neu zu beraten. Die Verwaltung wird beauftragt, hierzu ihre Unterstützung anzubieten."

Dem wird sich die CDU aller Vo­raussicht nach nicht anschließen. „Wir wollen die Holzheimer nicht im Regen stehen lassen", erklärte der kulturpolitische Sprecher Joachim Goerdt gegenüber der NGZ. Der plötzliche Tod Schnitzlers habe den Heimatverein unverschuldet in Zeitnot gebracht, deswegen will die CDU das Vorhaben nicht stoppen, „wo es schon so weit voran gegangen ist". Goerdt sieht zwar in einigen Punkten noch Klärungsbedarf -etwa zum Thema Gefahrenquelle -, aber sagt auch: „Wenn die Holzhei­mer mit dem vorliegenden Entwurf zufrieden sind, akzeptieren wir dies. Über das, was schön und was ästhe­tisch ist, kann man ja auch lange streiten."

Zweifel am künstlerischen Wert des Bauwerks sowie sein starker Einfluss auf das Bild der Grünanlage werden die SPD nach der Aussage ihres kulturpolitischen Sprechers Hartmut Rohmer hingegen dazu be­wegen, die Aufstellung abzulehnen. Die sozialdemokratischen Kultur­politiker wollen an den einmal ver­einbarten Kriterien festhalten, nach denen auch schon andere Vorhaben abgelehnt wurde - etwa die Franzis­kus-Skulptur am Zeughaus. Aber Rohmer betont auch: „Wir haben große Sympathie für die Idee eines Erinnerungsmales. Vielleicht kommt es doch noch zu etwas Neuem." Auch Bündnis 90/Die Grünen werden nach den Worten von Ro­land Kehl das Projekt ablehnen: „Wir halten es für überdimensioniert und würden eine Plakette oder ähnliches begrüßen." Zudem stört es ihn, dass die Kulturpolitik erst so spät gefragt wird.


NGZ vom 12.09.07